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Der Videobeweis im Fussball und die Sturheit der Funktionäre

Hin und wieder schwappt das Thema Videobeweis im Fussball in einer Diskussionswelle hoch und sorgt immer wieder für Aufregung in der Bundesliga, der UEFA und FIFA.

Am 1. Spieltag der neuen Bundesliga – Saison lieferte eine (vielleicht) entscheidende Situation im Spiel TSG 1899 Hoffenheim – Bayern München erneut Zündstoff für diese Diskussion. Und gleichzeitig war der Kopfball von Josip Simunic (Hoffenheim) in der 10. Minute zum zu diesem Zeitpunkt möglichen 1:0 wohl ein Paradebeispiel für eine Situation, in der ganz offensichtlich eine Torkamera benötigt wird.

Simunic zum eigentlichen 1:0 gegen Bayern München

Keeper Michael Rensing wehrte den Ball offensichtlich hinter der Linie ab, nachdem er vom Pfosten abgeprallt war. Eine Situation, die von den Schiedsrichtern übersehen wurde, obwohl Rensing deutlich sichtbar hinter der Linie stand.

Eine Torkamera und eine kurze Spielunterbrechung hätten hier zur Aufklärung geführt und das Tor wäre klar gegeben worden. Aber die Funktionäre der verschiedenen Verbände, ob es national der DFB oder international die UEFA bzw. die FIFA ist wehren sich seit Jahren wehement gegen eine solche Torkamera. Mit Begründungen, die mich wirklich laut loslachen lassen (hierzu komme ich später).

Es wird viel diskutiert und auch ausprobiert – das muss man fairerweise sagen. Ausprobiert und eingeführt werden aber nur vergleichsweise harmlose und wenig wirkungsvolle Verbesserungen, wie das Headset für Schiedsrichter (bei dem ich mich schon immer Frage, was die Jungs da eigentlich reden?!).

Man testet einen Chip im Ball, bei dem die Technik nicht ausgereift sein mag, das akzeptieren wir auch gerne, eine technische Lösung muss schon sitzen und valide sein, das ist unbestritten.

Der Videobeweis für Abseitsentscheidungen wurde mit dem Argument abgetan, eine solche Unterbrechung schadete dem Spielfluss. Nun, auch das lasse ich mir noch gefallen, diese Möglichkeit jedoch mit diesem Argument einfach abzuschmettern und nicht weiter zu diskutieren und zu verbessern ist schlichtweg ein falsches Verhalten. Man muss nach Lösungen suchen, zum Beispiel einem 5. und 6. Mann auf der Tribüne, die in strittigen Entscheidungen ein Signal geben, und nur dann erfolgt die Spielunterbrechung, nachdem die Situation zudende gespielt wurde!? Man kennt das vom American Football. Hier wird der Spielzug zuende gespielt und danach beurteilt, ob ein Regelverstoß vorlag. Nur eine Möglichkeit, eine solche Verbesserung doch noch in akzeptabler Art und Weise einzuführen.

Sobald wir aber zur Diskussion über die Torkamera kommen endet jegliches Verständnis meinerseits für die Funktionäre und deren Argumente und  – nicht zu vergessen – auch für die Schiedsrichter. Die Torkamera wird nun schon seit Jahren von den Schiedsrichtern abgelehnt und ich verstehe wirklich überhaupt nicht, warum? Wieviel Ärger und Spott würden sich die Männer in Schwarz ersparen, nutzten Sie diese Einrichtung schon länger.
Babak Rafati war seit langem der erste Schiedrichter, der sich nach der von ihm zugegebenen Fehlentscheidung vom Samstag für eine Torkamera aussprach: “Wir haben nach dem Spiel gesehen, dass der Ball hinter der Linie war. Somit hätten wir auf Tor entscheiden müssen. In einem solchen Fall sind wir Schiedsrichter dafür, dass zumindest die Hintertorkamera eingeführt wird.” Interessant auch, dass er sofort für alle Schiedsrichter spricht. Hoffen wir, dass es bei dieser Entwicklung bleibt.

Da muss man sich doch fragen: Ist die bisherige offizielle und geschlossene Ablehnung der Schiedsrichter nur eine gezwungene Ablehnung, die durch den Druck der Verbände verursacht wird? Es ist doch auch nicht anders vorstellbar, wenn man überlegt, wie hilfreich eine solche Kamera wäre!

Und mal ehrlich: Da müssen wir uns Sätze wie den vom UEFA – Präsident Michel Platini anhören, die da lauten: “Der Fussball soll menschlich bleiben!” Das ist doch eine absolute Frechheit und Lachnummer! Eine Unterstützung des Schiedsrichters durch Kameras hat keinen Effekt darauf, dass Fussball noch immer von “echten” und menschlichen Fussballprofis gespielt wird. Diese Argumentation ist absolut haltlos und zeigt, wie wenig Argumente (nämlich keine!) die Funktionäre wirklich haben.
Auch das Argument, eine solche Situation unterbreche den Spielfluss ist hier nicht gegeben. Wer in aller Welt kümmert sich denn im Falle einer solchen Fehlentscheidung (wie oben dargestellt) denn noch um den Spielfluss??

Als Alternative bieten uns die fähigen Funktionäre der UEFA nun einen Test des 5. und 6. Mannes (heisst dieser dann “Hintertormann” oder “Torlinienmann”?) in der Europa League. Wow, dankeschön! Und die machen dann keine Fehler? Müssten ja dann Maschinen sein?!

Die sturen Funktionäre der Verbände sollten doch bitte mal über den Rand ihres sehr kleinen Tellers hinausschauen und prüfen, was in anderen Sportarten an Technik angewandt wird:

- Zeitnahme in jeglichen Sportarten, in denen es um Schnelligkeit geht (Leichtathletik, Schwimmen, etc.) (stellt Euch vor, hier stoppten Menschen mit Stoppuhren!)
- Hintertorkamera und Videobeweis für andere Spielsituationen im Eishockey und American Football (völlig unumstritten!)
- Hawk Eye im Tennis (zuerst höchst umstritten – knallhart und konsequent eingeführt – nun nicht mehr wegzudenken)
- Weitenmessung im Skispringen (wie würde es den “Spielfluss” unterbrechen, wenn – wie früher – nach jedem Sprung 2 Menschen mit Maßband die Schanze stürmten?)
- …(nicht dass mir keine weiteren einfallen würden, aber ich will den Funktionären doch auch noch Raum zum Nachdenken lassen!)

Nach einer solchen Zeitreise aus dem Jahr 1880 (in dem sich einige zu befinden scheinen ins Jahr 2009 sollte man doch deutlich offener und fähiger sein und Techniken wie zumindest der Hintertorkamera Einzug in die Welt des Fussballs gewähren!

Zu diesem Thema erhoffe ich mir natürlich wie immer Kommentare und auch eine Abstimmung zu diesem Thema in der Umfrage auf der rechten Seite. Vielen Dank!

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  1. hartmut krieg
    13. August 2009, 17:27 | #1

    das beste argument ist zweifelsfrei, dieses thema professionell anzugehen – und wo sitzen die profis? sicher nicht im wohnzimmer von platini oder gar blatter. es sind die amerikanischen “football-macher” – die lassen die schiris die szene nochmal anschauen – entscheidung und fertig. dabei über unterbrechung oder zeitverzögerung zu diskutieren ist gemessen an dem, was dadurch gutgemacht resp. an mistentscheidung vermieden wird geradezu hirnrissig – ein zügigerer ablauf beim auswechseln und das problem ist gelöst.
    h. krieg

  2. 19. August 2009, 16:55 | #2

    bei diesem spiel wäre der videobeweis wirklich von nutzen gewesen. warum auch nicht?

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